PRESSE & MEDIEN
- Hausmannskost für hungrige Mägen vom 13.12.11 - Echo online
- Essen für bedürftige Kinder - Frankfurter R. vom 13.12.11
Soziales Engagement - Bei "Ericas Manna Mobil" bekommen bedürftige Schüler ein kostenloses Mittagessen
Zwei junge Mädchen treten durch die Tür ein. Freundlich werden sie von den Helfern mit den roten T-Shirts begrüßt. Sie hängen ihre Jacken an die bereits gut gefüllte Garderobe und laufen in Richtung Essensausgabe. Beide schauen neugierig in die großen Behälter hinein, die auf der improvisierten Theke stehen. "Unsere Köchin achtet auf gutes Essen", sagt Michael Diefenbach, bevor er den zwei Mädchen eine Kelle Kartoffelbrei und eine Ladung Rotkohl auf die Teller gibt. Irene aus dem Kahmen lädt noch zwei kleine Frikadellen auf, und die Portion ist komplett.
An dem Tisch, an den sich die beiden Mädchen setzten, sorgen andere Schüler schon eifrig dafür, dass ihre Teller leer werden. Kurz vor 13 Uhr sind knapp 20 Kinder in den Räumlichkeiten der freikirchlichen Ecclesia-Gemeinde in der Nähe des Bahnhofs zu Gast. Alle lassen sich die Hausmannskost schmecken. Seit etwa einem halben Jahr gibt es hier immer donnerstags Mittagessen für Schulkinder. "Wir wollten uns sozial engagieren und haben uns schließlich für diese Idee entschieden", sagt Hans Philipp Daunhauer. In Kooperation mit dem gemeinnützigen Hilfsverein "Ericas Manna Mobil" aus Wiesbaden hat die Gemeinde Mitte August die kostenlose Essensausgabe gestartet. "Über verschiedene Institutionen haben wir erfahren, dass es in Rüsselsheim knapp 500 Kinder gibt, denen ein regelmäßiges Mittagessen fehlt", sagt Daunhauer. Der Verein "Ericas Manna Mobil" besteht seit 2007. "Wir haben ihn gegründet, weil uns aufgefallen ist, dass es in Wiesbaden Straßenkinder gibt", sagt Michael Abshagen, einer der Initiatoren. Aber nicht allein Straßenkinder stehen im Fokus des Projekts, auch Schulkinder. "Wenn man durch die Straßen geht, kann man sehen, wie viel ungesunde Sachen die Kinder essen", so Abshagen. Deswegen wird beim Essen, das bei der Ausgabe in Wiesbaden, Rüsselsheim und Frankfurt angeboten wird, auf Qualität und Frische geachtet. Inzwischen sind die Teller der beiden Mädchen leer. Ein Nachschlag ist natürlich drin. Diefenbach und aus dem Kahmen öffnen noch einmal die Behälter und wünschen für den zweiten Durchgang einen guten Appetit. Auch der zweite Teller ist schnell geleert. Während die Schülerinnen sich anschließend eine Portion Nachtisch holen, kommen die nächsten, etwas älteren Kinder in den improvisierten Essensraum. Sie grüßen ihre Freunde und die Helfer.
"Knapp 30 Kinder nehmen unser Angebot inzwischen war", sagt Hans Philipp Daunhauer. Aus der Innenstadt-Grundschule, der Goethe-, der Heisenberg- sowie der Park-Schule kommen die Nutzer. Die kostenlose Essensausgabe solle kein Konkurrenzangebot zu den Schulmensen sein, betont Daunhauer. Für einige Eltern sei ein günstiges Schulessen mit zu viel bürokratischem Aufwand verbunden, weiß Abshagen. Die Hürden für die Rückerstattung des Geldes seien zu hoch. Die Essensausgabe von "Ericas Manna Mobil" kann jeder in Anspruch nehmen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. "Bei unserer ersten Ausgabe wussten wir nicht, ob überhaupt jemand kommt. Am Ende waren es zehn Kinder", erzählt Daunhauer. Mit neun ehrenamtlichen Helfern wird die Essensversorgung zur Mittagszeit bei der Ecclesia-Gemeinde gestemmt. Über die Monate sei das Vertrauen zwischen den Helfern und den Kindern gewachsen, so Daunhauer. "Wir setzen uns einfach mit an den Tisch und reden ein bisschen. Die Tischgemeinschaft ist uns wichtig, und die Kinder genießen das." Die Helfer der Ecclesia-Gemeinde überlegen bereits, das soziale Engagement rund um die Essensausgabe, die Teil des Netzwerks "Bündnis für Familien" ist, weiter auszubauen. Ein zweiter Tag, an dem es eine Mahlzeit gibt, sei im Gespräch, außerdem das Angebot einer angeschlossenen Hausaufgabenbetreuung, sagt Daunhauer, während die nächsten Kinder hereinkommen. Da schnappen sich die ersten bereits wieder ihre Jacken von der Garderobe und gehen.

Für volle Teller sorgen Michael Diefenbach und Irene aus dem Kahmen. Die beiden gehören zu insgesamt neun ehrenamtlichen Helfern, die donnerstags in der Ecclesia-Gemeinde kostenloses Mittagessen für Schulkinder ausgeben. Foto: Timo Jaworr
Rüsselsheim Bei der Ecclesia-Gemeinde erhalten Schüler kostenlos eine warme Mahlzeit
Zwei junge Mädchen kommen durch die Tür. Freundlich werden sie von den Helfern mit den roten T-Shirts begrüßt. Sie hängen ihre Jacken an die bereits gut gefüllte Garderobe und laufen zielstrebig Richtung Essensausgabe. Beide schauen neugierig in die großen Behälter, die auf der improvisierten Theke stehen. "Unsere Köchin achtet auf gutes Essen", sagt Michael Diefenbach, bevor er den zwei Mädchen eine Kelle Kartoffelbrei und eine Ladung Rotkohl auf die Teller gibt. Irene aus dem Kahmen lädt noch zwei kleine Frikadellen auf, und die Portion ist komplett.
An dem Tisch, an dem auch die beiden Mädchen setzen, leeren schon andere Schüler eifrig ihre Teller. Kurz vor 13 Uhr sind knapp 20 Kinder in den Räumlichkeiten der freikirchlichen Ecclesia-Gemeinde in der Nähe des Bahnhofs zu Gast. Alle lassen sich die Hausmannskost schmecken.
Kooperation mit Verein
Seit etwa einem halben Jahr gibt es dort immer donnerstags Mittagessen für Schulkinder. "Wir wollten uns sozial engagieren und haben uns schließlich für diese Idee entschieden", sagt Hans Philipp Dauenhauer von der Gemeinde. In Kooperation mit dem gemeinnützigen Hilfsverein Ericas Manna Mobü aus Wiesbaden wurde Mitte August die kostenlose Essensausgabe gestartet. "Über verschiedene Institutionen haben wir erfahren, dass es in Rüsselsheim knapp 500 Kinder gibt, denen ein regelmäßiges Mittagessen sagt Dauenhauer. Der Verein Ericas Manna Mobil besteht seit 2007 - um Straßenkindern zu helfen, wie Michael Abshagen, einer der Initiatoren, erklärt. Aber nicht nur Straßenkinder stehen im Fokus des Projekts, auch Schulkinder. "Wenn man mit offenen Augen durch die Straßen geht, kann man sehen, wie viel ungesunde Sachen die Kinder essen", sagt Abshagen. Deswegen werde beim Essen, das bei der Ausgabe in Wiesbaden, Rüsselsheim und Frankfurt ange¬boten wird, besonders auf Qualität und Frische geachtet.
Inzwischen sind die Teller der beiden Mädchen leer. Ein Nachschlag ist natürlich drin. Auch der zweite Teller ist schnell geleert. Wahrend die Schülerinnen sich anschließend eine Portion Nachtisch holen, kommen die nächsten, etwas älteren Kinder in den improvisierten Essensraum.
"Knapp 30 Kinder nehmen un¬ser Angebot inzwischen war", sagt Hans Philipp Dauenhauer. Aus der Innenstadt-Grundschule, der Goethe-, der Heisenberg- sowie der Park-Schule kommen die jun¬gen Nutzet. Die kostenlose Es¬sensausgabe soll dabei kein Kon¬kurrenzangebot zu den Schul¬mensen sein, betont Dauenhauer. Für einige Eltern sei ein günstiges Schulessen mit zu viel bürokrati¬schem Aufwand verbunden, weiß Abshagen. Die Hürden für die Rückerstattung des Geldes seien zu hoch.
Die Essensausgabe von Ericas Manna Mobil kann jeder in An¬spruch nehmen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Mit neun ehrenamtlichen Helfern wird die Essensversorgung zur Mittagszeit gestemmt. Über die Monate sei das Vertrauen zwischen Helfern und Kindern gewachsen, so Dauenhauer. "Wir setzen uns einfach mit an den Tisch und reden ein bisschen. Die Tischgemeinschaft ist uns wichtig, und die Kinder genießen das."
Die Helfer der Ecclesia-Ge¬meinde überlegen bereits, das soziale Engagement rund um die Essensausgabe, die Teil des Netzwerks Bündnis für Familien ist, weiter auszubauen. Ein zweiter Tag, an dem es eine Mahlzeit gibt, sei im Gespräch, außerdem das Angebot einer angeschlossenen Hausaufgabenbetreuung.

Qualität und Frische ist den Anbietern wichtig. Und einen Nachschlag gibt es auch.
- Michael Porcher spendet für „Manna Mobil" vom 08.02.11
- Essensausgaben Rüsselsheimer Ecclesia-Gemeinde vom 10.12.11
1010 Euro beim 50. Geburtstag statt Geschenken
LANGENHAIN (mwo)
Ein Filmbericht hat den Langenhainer Michael Porcher vor zwei Jahren auf das soziale Projekt „Manna Mobil" aufmerksam gemacht, das in Wiesbaden und Frankfurt Mittags warmes Essen an Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Ein¬kommen austeilt. Als er jetzt am 24. Januar im evangelischen Gemeindezentrum seinen 50. Geburtstag feierte, wünschte er sich von seinen Gästen statt der üblichen Geschenke eine Spende für das „Manna Mobil". Genau 1010 Euro sind dabei zusammen gekommen, weil Freunde und Angehörige auch ganz angetan waren von der Idee des „Manna Mobils". Im biblischen Sinne steht „Manna" für die sagenhafte Speise, die den Isrealiten auf ihrer 40-jährigen Wanderschaft durch die Wüste als Nahrung diente. Solch ein „Himmelsbrot" in Form eines warmen Mittagessens wird täglich an bis zu 70 Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen kostenlos allein in der Ausgabestelle des gemeinnützigen Vereins „Manna Mobil" in der Wiesbadener Siedlung „Gräselberg" ausgegeben, die der gemeinnützige Verein neben seiner Ausgabestelle in Frankfurt-Bockenheim unterhält. Auch Kinder aus anderen Stadtteilen Wiesbadens wie dem Schelmengraben und der Stadtmitte kommen in die Ausgabestelle in einer ehemaligen Eisdiele, die mit Unterstützung der Stadt Wiesbaden zum sogenannten „Treffpunkt Gräselberg" geworden ist. Das „Manna Mobil", dessen Markenzeichen ein alter Citroen-Kastenwagen Baujahr 1962 ist, steuert regelmäßig zusammen mit zwei Kleintransportern die Ausgabestellen in Wiesbaden und Frankfurt an, um dort das kostenlose warme Mittagessen für Kin¬der und Jugendliche anzubieten. Über 30 ehrenamtliche Helfer und zwei fest angestellte Mitarbeiterinnen sind dabei im Einsatz und haben immer ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Kinder und Jugendlichen.
Auch Familie unterstützt Verein
Und natürlich war die Freude bei den ehrenamtlichen Helfern des Vereins groß, als Michael Porcher jetzt das Geld übergab. Denn die Spende stellt allein für drei Kinder sicher, dass sie ein ganzes Jahr damit mit einem warmen Mittagessen versorgt werden können. „Wir haben alles, was wir brauchen zum Leben und diese Kinder und Jugendlichen haben sonst noch nicht einmal die Möglichkeit, etwas Warmes zu essen", beschreibt der verheiratete Familienvater von drei halbwüchsigen Kindern seine Beweggründe für sein Engagement rund um seinen 50. Geburtstag. Von seiner Familie hat er zum runden Geburtstag eine Karte bekommen, auf der gemeinsam die Bitte formuliert war, mehr Zeit mit seinen drei Kindern und seiner Frau zu verbringen - und zwar auch und für das „Manna Mobil". Demnächst will Michael Porcher mit Frau Uschi, den beiden Söhnen Mario (21 Jahre) und Marco (24 Jahre) sowie Tochter Mona (15 Jahre) samt deren Freund Jan (18 Jahre) dieses ganz persönliches Geburtstagsgeschenk von der Familie einlösen: Zusammen ein Tag mit der ganzen Familie in der Großküche des „mannamobil" aushelfen als Ehrenamtliche, die stets genau¬so willkommen sind beim Verein wie Finanzielle Unterstützung. Mehr Informationen zum „Manna Mobil" gibt es unter www.mannamobil.de.

Michael Porcher (Bildmitte hinten) hat das von seinen Geburtstags-Gästen zum 50sten gespendete Geld persönlich dem „Manna Mobil" In Wiesbaden übergeben. Foto: Uschi Porcher
Von Laura Schöffel
Wer erinnert sich nicht gerne an die Heimkehr nach der Schule: An der Haustür duftet es schon nach Mittagessen, die Mutter fragt freundlich, was es für Neuigkeiten gibt, und dann setzt sich die Familie gemeinsam an den Tisch. Leider ist ein solcher Empfang längst nicht allen Kindern vergönnt.
Jeden Donnerstag von 12.30 bis 14.30 Uhr allerdings, wenn in die Ecclesia-Gemeinde in der Grabenstraße "Erica's Manna-Mobil" kommt und Essen für Kinder ausgibt, dann wartet dort ein Stück dieser heilen Welt auf sie. Es riecht nach Frikadellen und Rotkraut, ehrenamtliche Mitarbeiter kennen die Kinder schon alle beim Namen und erwarten sie.
Auch die Gemeinschaft ist wichtig
Ein Schüler nach dem anderen kommt zur Tür hinein, stellt seinen Ranzen ab und hängt die Jacke an die Garderobe. Die 25 bis 30 Kinder sind regelmäßig dort. Sie linsen über den Rand der Wärmebehälter, sitzen mit den Betreuern am Tisch und plaudern über die Erlebnisse des Tages.
"Ich mag die Leute, die hier sind", sagt ein neun Jahre alter Junge. Das Essen schmeckt ihm auch, "und wie". Dass sich zwischen den sieben ehrenamtlichen Helfern und den Essensgästen längst eine persönliche Beziehung entwickelt hat, ist offensichtlich. Fröhlich und geschwätzig geht es an den Tischen zu, die Gemeinschaft strahlt Wärme und Geborgenheit aus.
Das sogenannte Manna-Mobil kommt seit August nach Rüsselsheim. "Wir haben einfach gemerkt, dass da eine Lücke ist", berichtet Tobias Roth, Vikar in der Eccelias-Gemeinde und ebenfalls freiwilliger Helfer bei der Essensausgabe. In Absprache mit der Stadt habe es eine Vorbereitungszeit von einem Jahr gegeben, am ersten Tag seien gleich zehn Kinder gekommen. "Wir treten an die Schulen heran, verteilen auch Flyer, aber am meisten passiert durch Mundpropaganda", schildert Roth das Vorgehen, um die Essensausgabe in der Ecclesia-Gemeinde bekannt zu machen. Eine Art Prüfung, inwiefern die kleinen Gäste auch tatsächlich auf diese Hilfe angewiesen sind, gibt es nicht. Die Erfahrung zeige aber, dass die Unterstützung an den richtigen Stellen ankomme, betont der Vikar der Ecclesia-Gemeinde.
Neben der reinen Weitergabe von Nahrungsmitteln geht es dem Team des "Manna-Mobils" auch darum, Esskultur zu vermitteln. "Kappen oder Jacken gehören an die Garderobe", sagt Roth. Auch zeige man den Kindern, wie Messer und Gabel zu benutzen sind. Die Mitarbeiter legten ebenso Wert darauf, sich mit an den Tisch zu setzen und ebenfalls zu essen.
"Einige Kinder sind die ganze Zeit über hier, sie kommen nicht nur zum Essen", berichtet Roth und betont, wie sehr viele die Gemeinschaft schätzten. Hin und wieder schütteten sie den Mitarbeitern auch mal ihr Herz aus.
Rüsselsheim ist eine von drei Essensausgaben, die vom "Manna-Mobil" bedient werden. Begonnen hat der Verein seine Tätigkeit in Wiesbaden, wo heute an fünf Tagen in der Woche durchschnittlich 70 Kinder zum Essen kommen, in Spitzenzeiten waren es schon über 90. Auch nach Frankfurt liefert "Manna-Mobil" zwei Mal in der Woche Mittagessen, das in der Küche einer Kirchengemeinde in Wiesbaden frisch zubereitet wird. All das stemmt der Verein mit zwei fest angestellten Kräften, eine davon ist die Köchin, sowie rund 40 Ehrenamtlichen. Sieben arbeiten allein in Rüsselsheim. Die Kosten von rund 7 000 Euro im Jahr.

Es ist nicht die Mahlzeit allein, die die Kinder in die Ecclesia-Gemeinde zur Essensausgabe lockt. Sie schätzen auch das freundliche Hallo von Mitarbeitern wie Michael Diefenbach. Foto: Vollformat / Volker Dziemballa
- Wenn die Zunge Samba tanzt vom 09.12.09
- Ein Gratis-Essen nach der Schule vom 04.11.10
Wiesbadener Tagblatt vom 09.12.2009 - Von Angelika Eder
SPEISUNG "Ericas Mannamobil" versorgt Kinder und Jugendliche mit Schulbroten und warmem Essen
"Mensch, Moni, immer wenn ich donnerstags hierher komme, tanzen meine Geschmacksnerven Samba", lobt einer der Jugendlichen die Köchin Monika Munser, während er seine Spaghetti Bolognese bei der Essensausgabe von "Ericas Mannamobil" in Empfang nimmt. Den gleichnamigen gemeinnützigen Verein gründeten Michael und Gabriele Abshagen 2007 gemeinsam mit zwei anderen Ehepaaren und Heinz Hartner, der das Ganze zum Rollen gebracht hatte. Zum Gedenken an seine verstorbene Frau Erica wollte er eine soziale Einrichtung unterstützen und suchte Hilfe in der kleinen Agentur des Paares Abshagen, deren Kunde er war. Der Grafidesigner und die Marketingberaterin hatten kurz zuvor von Straßenkindern in Wiesbaden gehört und "von Schülern, die nicht das Geld für die Mensa haben und mit einer Tüte Chips auf der Straße stehen". So wurde die Idee geboren, einen Verein ins Leben zu rufen, der mobil - mittels eines in Frankreich entdeckten Oldtimers - Essen zu den Kindern bringt. Durch den Kontakt mit dem Verein "upstairs", der sich um Wiesbadener Straßenkinder kümmert, und Erkundigungen beim Amt für Soziales erfuhr das Team von Hildegunde Rech, wo seine Hilfe in Wiesbaden am dringendsten gebraucht wird, nämlich in den zwei Stadtteilen, in denen rund 50 Prozent der dort lebenden Menschen Hartz-IV-Empfänger sind: Schelmengraben und Sauerland. "Hier kommen viele ohne Frühstück in die Schule und sind somit unkonzentriert, und auch ihr Mittagessen besteht oft lediglich aus einer Yum-Yum-Tüte, einem asiatischen Nudelfertiggericht, das sie trocken essen", sagt Michael Abshagen.
Nachdem erste Testprojekte positiv verlaufen waren und man sich den Stadtteilkonferenzen vorgestellt hatte, startete man an der Grundschule im Schelmengraben mit der Verteilung von Schulbroten. Drei "Ein-Euro-Mütter", von einer Hauswirtschafterin für diese Arbeitsmaßnahme qualifiziert, belegen an fünf Tagen in der Woche das gelieferte Brot: "15000 Schulbrote im Jahr 2009. Das hätte allein niemand stemmen können." Darüber hinaus gibt es im Schelmengraben jeden Donnerstag ein Essen, das das Mannamobil im Gemeinschaftszentrum ausgibt. Dasselbe geschieht fünfmal pro Woche im Sauerland, wo man demnächst vom Trafohaus auf den Gräselberg umsiedeln kann, da die Stadt Wiesbaden dort neue Räume zur Verfügung gestellt hat. Zu diesem "Dreamteam", wie Abshagen die Truppe nennt, gesellen sich rund 20 Ehrenamtliche, die entweder in der Küche oder bei der Ausgabe tätig sind. Dazu gehören beispielsweise ein Wiesbadener Taxifahrer, der seine Tour eigens unterbricht, um für die Kinder aktiv zu werden, oder auch der Vorstand einer Investmentgesellschaft. "Das gibt ihm etwas, was er in seiner beruflichen Funktion nicht bekommt. Das sorgt übrigens bei uns allen dafür, dass man auf dem Teppich bleibt", so der Grafikdesigner, der auch international tätig ist.
Zu den Erfolgsrezepten des Mannamobils zählt Abshagen auch die Tatsache, dass sich das Essen gesund zubereiten lasse. Anfangs hätten viele befürchtet, dass man etwa Gemüse bei solchen Aktionen vergessen könne. "Aber Monika hat ihre Tricks. Pilze püriert sie, Sauerkraut bereitet sie so zu, dass es dank der großen Nachfrage knapp wird, und ihren Eintopf könnte sie den Kindern und Jugendlichen ständig anbieten. Sogar die anfängliche Abneigung gegen dunkles Brot hat sich gelegt." Kein Wunder also, dass inzwischen auch in Frankfurt-Bockenheim das Angebot von "Ericas Mannamobil" mit Freuden angenommen wird. Dort kündigt sich das Team übrigens mit einem Poster "Hunger?" an, auf dem vermerkt ist: "Wir kochen frisches, leckeres Essen. Ohne Schweinefleisch und ohne Geschmacksverstärker!" Damit bleiben auch die Kinder und Jugendlichen muslimischen Glaubens nicht außen vor. Obwohl man dort erst Ende Oktober startete, tanzen inzwischen regelmäßig die Geschmacksnerven von 40 bis 45 Frankfurter Kindern Samba. Und für die Helfer, die nach dem Motto handeln "Liebe (zum Nächsten) geht durch den Magen", steht nach getaner Arbeit immer wieder aufs Neue fest, so Abshagen: "Es war ein erfüllter Tag, man geht zufrieden nach Hause, denn man weiß, was man geschafft hat."

Foto - Wiesbadener Tagblatt
Frankfurter Rundschau, 04.11.2010 von Sabine Müller
Verein Manna Mobil deckt für Kinder aus armen Familien den Mittagstisch
Putenbrust mit selbst gekochter Kürbis-Curry-Sauce, Natur-Reis, frischer Blattsalat- und zum Nachtisch hausgemachter amerikanischer Apfelkuchen. „Echt lecker", findet Samuel und langt kräftig zu. Der Viertklässler hat Hunger. Es ist ein Uhr mittags. Und er hat sechs Schulstunden an der Ludwig-Beck Schule hinter sich. Jetzt sitzt er zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen an einer langen Tafel im Jugendtreff der Siedlung Gräselberg. Wie jeden Tag nach der Schule. Denn hier bekommt Samuel ein kostenloses Mittagessen - serviert vom Verein Manna Mobil. „Die kochen für uns arme Menschen", sagt der achtjährige Milat aus der 3a. „Ne, stimmt nicht", widerspricht Tischnachbar Gedeon aus der Vierten. Er sei doch gar nicht arm. Das sei eine Lüge. Wahr sei, dass das Essen von irgendjemand bezahlt werde. Von wem, das wisse er aber nicht. Michael Abshagen, Sprecher des Manna Mobils, weiß das freilich schon: Spender finanzierten die mildtätige Arbeit des Vereins, der seit 2007 kostenloses Essen zu armen Kindern im Wiesbadener Schelmengraben bringt, seit 2009 auch Hauptschüler in Frankfurt-Bockenheim versorgt und seit 2010 in der Siedlung Gräselberg einen Gratis-Mittagstisch für alle, die Hunger haben, anbietet. Eine Köchin und Ehrenamtliche kochen - und verstauen die Speisen in zwei Lieferwagen Der Bedarf sei groß, sagt Abshagen: Allein am Gräselberg kommen täglich 70 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren zum Manna-Mobil-Essen. In der Siedlung leben rund die Hälfte der Familien von Hartz IV. Frisch zubereitet wird das Essen in einer gemieteten Küche im christlichen Zentrum in Nordenstadt. Von morgens an sind hier eine Köchin und Ehrenamtliche bei der Arbeit, braten, schnippeln, kochen, rühren - und verstauen die Speisen dann in Wärmeboxen auf zwei Lieferwagen. Ein reiner Bringservice ist Manna Mobil aber nicht. Der Verein will mehr. Ein gemeinsames Mittagsessen mit den jungen Leuten ist gewünscht - und dazu gehört etwa das gemeinsame Gebet vor und nach dem Essen. Die Muslime unter den Kindern störten sich nicht daran, sagt Michael Abshagen. Für die Muslime sei es natürlich wichtig, dass es bei Manna Mobil nie Schweinefleisch gebe. Und so geht es beim Essen im Treff Gräselberg ein bisschen wie in einer großen Familie zu. Die ehrenamtliche Helferin Ortrut, Zahntechnikerin im Ruhestand, zeigt etwa Gedeon, wie er sein Messer richtig hält. Taxifahrer Andreas, der mittags immer am Gräselberg stoppt, um zu helfen, begrüßt jedes Kind und fragt, wie es geht. Und Christina Stockhausen, früher selbstständige Buchhändlerin, quatscht mit Klaudia aus der Vierten darüber, wie so der Tag bisher denn war. Die Kinder, die hierherkämen, seien nicht immer oder nur arm an Geld, sagt Abshagen. „Es gibt auch viel soziale Armut." Manchen fehle es an Geborgenheit - weil zu Hause niemand auf sie warte oder sie nicht nach Hause dürften, weil der schichtarbeitende Vater schlafe, oder die Mutter psychisch kaputt sei. Christina Stockhausen hilft gerne beim Manna Mobil. Das Team sei cool. Und ihr Horizont habe sich erweitert. Das hier sei was völlig anderes als in dem reichen Stadtteil Sonnenberg, wo sie wohne. Kinder we Milat, Samuel oder Gedeon hätte sie sonst nie getroffen. Genauso wenig wie den 17-jährigen Kutte, dessen hageres Gesicht in der großen Kapuze seines grauen Sweat-Shirts fast verschwindet. Seine Jeans schlackert um die Beine. Er hat heute Geburtstag. Ein paar Kumpels in schwarzen Jacken und nur halb über den Kopf gestülpten Baseballmützen singen „Happy Birthday" für ihn. „Ich hatte anfangs ein bisschen Angst", sagt Stockhausen. Prolliges Benehmen und Machosprüche sei sie nicht gewohnt. Aber zum Glück gebe es als „letzte Instanz" beim Manna Mobil ja Fahrer Rolli, alias Rolf Meyer. Der ist mal zur See gefahren, groß, stark und tätowiert. Und Rolli schmeißt - wenn der Ton der Jungs zu hart wird -durchaus auch mal einen raus. Doch das komme nur „ganz selten" vor, berichtet Michael Abshagen.
—— MANNA MOBIL———
Der 2007 gegründete Verein Ericas Manna Mobil bietet seit 2010 von montags bis freitags im Treff Gräselberg kostenloses Essen für Kinder und Jugendliche aus der Siedlung an. Ein Team versorgt zudem Hauptschüler in Frankfurt-Bockenheim mit Essen und die Kinder der Grundschule im Stadtteil Schelmengraben mit kostenlosen Frühstücksbroten. 30 Ehrenamtliche, eine fest angestellte Köchin und ein Fahrer unterstützen die Arbeit des Vereins. Die Spenden-Patenschaft für das tägliche Mittagessen eines Kindes kostet 30 Euro monatlich. Namenspatin für Ericas Manna Mobil ist die an Krebs gestorbene Wiesbadenerin Erica Hartner, deren Mann Mitinitiator und Ehrenvereinsvorsitzender ist. sab www.mannamobil.de

Lecker: Rolf Meyer vom Manna Mobil reicht hungrigen Schulkindern das Essen.
- Apfelmus auf der Gänsewiese vom 04.07.08
- Warme Mahlzeit und ein offenes Ohr vom 27.11.09
Wiesbadener Tagblatt, 04.07.2008 - Von Anja Baumgart-Pietsch
Kein Arbeitsmangel im Mannamobil/Ziel des Vereins ein zweiter Wagen
„Ihr macht das beste Essen der Welt." Das hat das Team vom Mannamobil sogar schriftlich - von einer jungen Besucherin des „Trafohauses", des kleinen Jugendzentrums im Sauerland. Dort bekommen bekanntlich rund 40 Kinder und Jugendliche seit einem Jahr wochentags ein warmes Mittagessen - gespendet vom „Mannamobil", also völlig kostenfrei.
Der dazugehörige gemeinnützige Verein wird von Michael und Gabriele Abshagen geleitet. Sie gründeten ihn vor genau einem Jahr, gemeinsam mit zwei befreundeten Ehepaaren. „Wir haben schon lange gedacht, dass man etwas für arme Kinder tun müsste", beschreibt Michael Abshagen sein Vorhaben. Denn auch im reichen Wiesbaden gibt es genügend Familien, die mit wenig Geld auskommen müssen, und dies geht oft zu Lasten einer gesunden Ernährung. Das wussten die Vereinsgründer schon lange. Doch es blieb zunächst bei der guten Absicht „Wenn wir mal Geld haben...", so sagt Abshagen, habe man immer geredet. Bis ein glücklicher Zufall den potenziellen Wohltätern zu einem Grundstock verhalf: Ein wohlhabender Bekannter aus Frankfurt verlor durch eine tückische Krankheit in kurzer Zeit seine Frau, „die immer ein großes Herz für Kinder hatte", erzählt Abshagen. Ob man nicht im Gedenken an die Verstorbene, deren Name Erica war, an die gute Tat gehen wolle, so fragte der Frankfurter? Da waren alle Weichen gestellt, man war sogar zu siebt, Grundlage für eine offizielle Vereinsgründung - „und dann ging es los", beschreibt Michael Abshagen. Kindern ein kostenloses Mittagessen aus gesunden und frischen Zutaten zu liefern, wurde als Vereinszweck beschlossen. Und die Stadtteile, in denen am meisten Bedarf bestand, waren ebenfalls schnell gefunden: Das Sauerland und der Schelmen¬graben. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Soziale Arbeit gab es zunächst einen Testlauf im Erbenheimer Hochfeld - wo der Verein sich mittlerweile aber nicht mehr engagiert, und dann wagte man sich mit dem originellen Fahrzeug in die westlichen Stadtteile. „Einen Sympathieträger brauchten wir ja auch", schmunzelt Abshagen, und dazu ist der 46 Jahre alte leuchtend gelbe Citroen „HY"-Oldtimer, auf den man zufällig im Internet stieß, wunderbar geeignet. Er wurde auf den Namen „Erica's Mannamobil" getauft. Werbeprofi Michael Abshagen entwarf ein buntes Logo und eine Internetseite (www. mannamobil.de) und begann, um Spenden zu trommeln. Denn man wollte nicht, wie es zum Beispiel die Wiesbadener Tafel praktiziert, auf Lebensmittel aus Supermarkt-Beständen zurückgreifen. „Das hätte zu viel Logistik erfordert" - die Zutaten für das Mittagessen sollten einfach frisch gekauft und in der Küche des Christlichen Zentrums in Nordenstadt jeden Tag zubereitet werden. Einige der Vereinsmitglieder sind auch dort Mitglied, „wir haben aber auch evangelische und katholische Mitglieder, und obwohl unser Leitmotiv sicher die christliche Nächstenliebe ist, ist die Religionszugehörigkeit keinerlei Bedingung", so Abshagen. Im Gegenteil: Bei der Zubereitung des Essens ist Schweinefleisch von vornherein tabu, da viele muslimische Kinder unter den Gästen sind, „und die fragen natürlich danach", sagt Abshagen. Ansonsten steht auf dem Speiseplan, was gesund ist und Kindern schmeckt - immer auch unter Einbeziehung von frischem Gemüse und Obst, ebenfalls gehört stets ein Nachtisch dazu. Auch bei den Ferienfreizeiten in der Fasanerie liefert das Mannamobil den Mittagsimbiss. „Die Stadt hatte uns darum ge¬beten, und da wir in den Schulferien die anderen Angebote nicht haben, hatten wir auch Zeit dafür", so Abshagen. Also gibt es auf der „Gänsewiese" am Tag unseres Besuches Spätzle mit Hackfleischsoße und einen gemischten Salat - und danach Waffeln mit Apfelmus, frisch im Citroen zubereitet. Der entspricht natürlich allen Richtlinien - TÜV und Gesundheitsamt hatten viele, viele Auflagen gemacht, bis das Mobil allem gerecht wurde, hat es schon gedauert", berichtet Gabriele Abshagen, die gemeinsam mit ehrenamtlichen Kollegen das Essen fröhlich an die hungrigen Kinder austeilt Der Citroen hat nur 30 PS, „wir werden hoffentlich bald ein zweites Auto anschaffen können, um auch an mehreren Stellen parallel Angebote machen zu können", spricht Michael Abshagen über seine Pläne. Das werde dann allerdings sicher ein eher prosaischer Kastenwagen. Doch der Bedarf am Angebot des „Mannamobils" ist sehr groß, es spricht sich herum, und die Interessenten werden immer mehr. „Auch im Schelmengraben, wo wir zur Zeit nur donnerstags im Gemeinschaftszentrum sind, möchten wir gern mindestens einen zweiten Tag dort sein." Im Sauerland wird das werktägliche Angebot beibehalten. Und in der Grundschule Schelmengraben beteiligt sich der Verein ebenfalls: „Hier liefern wir Brot für die Pausenbrot-Aktion", erzählt Abshagen und freut sich, dass ein paar Steine ins Rollen gekommen sind: Die Stadt bot mehreren Müttern bei dieser Aktion Geringverdiener-Jobs an, eine Krankenkasse spendete einen namhaften Betrag für gesunden Brotbelag - „man muss einfach nur anfangen, dann klappt es schon", ist der Organisator vom Erfolg der Idee begeistert Ehrenamtliche, die mithelfen - in der Küche und bei der Ausgabe vor Ort - sowie Spender sind natürlich jederzeit willkommen. „Die Zeichen stehen jedenfalls auf Expansion", sagt Abshagen und berichtet noch, dass zwei hauptamtliche Kräfte, darunter eine Köchin, für den Verein tätig sind und sich unter den mittlerweile 20 Ehrenamtlichen vom Banker bis zum Taxifahrer, von der Hausfrau bis zur Rentnerin alles zusammengefunden hat.

..Ihr macht das beste Essen der Welt", lobt die junge Kundschaft das Küchenteam des Mannamobils derzeit auch in der Fasanerie. Foto: RMB /Friedrich Windolf
Wiesbadener Kurier vom 27.11.2009 - Von Nicola Böhme
MANNAMOBIL Eine private Initiative versorgt Kinder und Jugendliche in sozial schwachen Gebieten mit Mittagessen
Ein feiner Duft von Käse und Hackfleisch liegt in der Luft. Die Köchinnen Monika Munser und Anke Schmitt streuen noch etwas Gouda auf die Lasagne, derweil schnippelt Gabriele Abshagen Karotten in mundgerechte Stifte, Ortrud Kalweit rührt die große Schüssel Obstsalat um, und Rolf Meyer, genannt Rollo, macht den Wärmecontainer bereit. Jeder weiß, was er zu tun hat, die Stimmung in der Küche im Christlichen Zentrum in Nordenstadt ist gut, alle freuen sich, denn heute geht es zuerst ins Trafohaus im Sauerland und dann ins Gemeinschaftszentrum Schelmengraben. Dort warten rund 80 hungrige Mägen auf die Truppe - Kinder und Jugendliche, die sonst kein Mittagessen bekämen.
Chips und Instantsuppe
"Chips und Instantsuppen, allerdings trocken aus der Tüte gegessen, das war für die meisten bisher das Mittagessen", erinnert sich Michael Abshagen an die ersten Begegnungen mit den "Mannamobil-Kunden". Gemeinsam mit seiner Frau Gabriele hat er vor rund zwei Jahren den Verein "Mannamobil" ins Leben gerufen. Sie nahmen Kontakt mit dem Jugendamt und dem Evim-Projekt "Upstairs" auf, das sich um Straßenkinder in Wiesbaden kümmert. "Erst wollten wir gar nicht glauben, dass es in solch einer reichen Stadt wie Wiesbaden Kinder gibt, die auf der Straße leben", erinnert sich Abshagen. Als sie dann noch erfuhren, "dass es in Wiesbaden viele Kinder gibt, die noch nicht einmal ein Mittagessen erhalten", da war für Abshagens klar, sich hier zu engagieren. Mit Unterstützung des Frankfurters Heinz Hartner, ein Kunde ihrer Grafik- und Eventagentur, nahm die "Mannamobil"-Idee Formen an. Mit viel Glück fand das Team in Frankreich einen alten leuchtend-gelben Citroën-Bus, Baujahr 1962, der 43 Jahre lang als Modeboutique und zuletzt zwei Jahre lang als Frittenbude durch die Gegend gerollt war - das "Mannamobil".
Direkt zu Kindern fahren
Mit diesem 47 Jahre alten Bus, der inzwischen nur noch im Sommer genutzt wird, wollten die zehn Gründungsmitglieder des Vereins direkt zu Kindern und Jugendlichen in sozial schwachen Gebieten fahren und sie mit einer warmen Mahlzeit versorgen. Schnell waren Sauerland und Schelmengraben als bedürftige Gebiete ausgemacht und sind seit Oktober 2007 beziehungsweise April 2008 Anlaufstelle fürs "Mannamobil", "denn in Wiesbaden gibt es Armut und Bedürftigkeit, man muss nur hinschauen", weiß Abshagen. Gesund, nahrhaft, ohne Geschmacksverstärker und immer frisch zubereitet soll das "Mannamobil"-Essen sein, dafür sorgt Köchin Monika. Jeden Tag gibt es Salat oder Rohkost, in der Lasagne steckt viel frisches Gemüse, Nudeln werden mit Spinat serviert, und statt Pommes gibt es Kartoffelflecken aus dem Ofen. "Ich bekomme sie alle zum Essen", ist die resolute Köchin überzeugt. Auf Schweinefleisch verzichtet sie aus Rücksicht auf die vielen muslimischen Kinder jedoch, stattdessen gibt es Rind oder Geflügel. Viele Lebensmittel und Geschmäcker müssen die Kinder erst kennen lernen. "Ein Junge wollte unbedingt mal wieder Nudeln mit Obst essen", erzählt Monika, "erst durch langes Nachfragen haben wir dann herausbekommen, dass er mit Obst Broccoli meinte, den er bis dahin nicht kannte". Musste anfangs das vitaminreiche Obst in Pudding, Kuchen oder Quark versteckt werden, damit die Kinder es überhaupt anrühren, greifen sie mittlerweile auch ganz beherzt beim Obstsalat zu. "Die Kinder sind dankbar für das Essen und die Zuwendung", weiß Gabriele Abshagen, "auch wenn sie das vielleicht nicht gerade sagen". Fahrer Rollo mit seinen tätowierten Armen und seinem resoluten Auftreten genießt bei den Kindern und Jugendlichen besonderes Ansehen. Er selbst hat schon als Kind harte Zeiten durchgemacht, kennt Drogenprobleme und das Leben im Knast und wirkt deshalb so authentisch. Deshalb darf er auch schon mal großspurig auftretende Jugendliche zurechtweisen, die zwar aufmucken, doch dann klein beigeben. Eine 14-Jährige erzählt von ihren Sorgen, einen Praktikumsplatz zu finden, ein kleines Mädchen von ihren zwölf Geschwistern, ein Zehnjähriger ärgert sich, dass er beim nächsten Ausflug nicht mitfahren darf und und und.
Auch innere Ängste Thema
Mitunter erfährt das "Mannamobil"-Team aber auch von inneren Ängsten der Kinder: Ein Junge erzählte einmal, dass der Vater die Mutter schlägt, oder ein Mädchen hatte Angst davor, mit der Familie ins muslimische Heimatland zu fahren, weil sie befürchtete, man könne sie dort verheiraten und sie dürfe dann nicht mehr zurück nach Deutschland, berichtet Gabriele Abshagen. In solchen Fällen werden dann Sozialarbeiter eingeschaltet.

Foto - Wiesbadener Kurier
- Ganz ohne Nachtisch geht's nicht vom 21.01.08
- Mittagessen aus dem Manna Mobil vom 08.02.08
Wiesbadener Kurier, 21.01.2008
Das „Manna Mobil" verpflegt Jugendliche und Kinder - Von Till Frommann
WIESBADEN
Sven und Ronny sitzen im Jugendkeller der evangelischen Kirchengemeinde am Schelmengraben und essen Würstchen mit Kartoffelsalat. Dass hier erstmals das „Manna Mobil" Halt machen würde, wussten sie nicht. Eigentlich hatten beide vor, eine Runde Billard zu spielen, sie seien „spontan" zum Gemeindezentrum gekommen - zum „Billardspielen und Chillen", wie der 19-jährige Ronny sagt.
Dienstags und Mittwochs
An zwei Tagen - nämlich am Dienstag und am Mittwoch -wird das „Manna Mobil" jetzt immer von 15 Uhr an kostenloses Essen für Kinder und Jugendliche anbieten. Außerdem kocht der dafür gegründete gemeinnützige Verein an fünf Tagen in der Woche für die Kinder- und Beratungsstelle im Sauerland. Seit einer Woche fährt das „Manna Mobil" auch die Grundschule im Schelmengraben an - jeden Werktag gibt es für vier Klassen (also für etwa 98 Schüler) Frühstück. Etwa ein Dreivierteljahr habe es gedauert, das alles auf die Beine zu stellen, erklärt Gabriele Abshagen vom „Manna Mobil". „Das ist Rekordzeit", findet sie. Der Verein besteht aus einer fest angestellten Köchin und zwei Mitarbeitern als auch zehn weiteren, ehrenamtlichen Helfern. Die Mitarbeiter kommen, aus der evangelischen und katholischen Kirche und auch aus der Freikirche. Gabriele Abshagen weist darauf hin, dass „alles frisch sei" und es immer „viel Salat, viel Gemüse und Rohkost" gebe. „Ganz ohne Nachtisch geht es natürlich nicht", sagt sie - neulich gab es zum Beispiel Schokoladenpudding. Kartoffelsuppe hätten sie unter anderem gekocht, Gulasch, Spaghetti -aber auch Grünkernbratlinge hätten den Kindern in der Grundschule geschmeckt. Ist solch ein Angebot notwendig? „Im Schelmengraben lebt jedes zweite Kind unter der Armutsgrenze", berichtet Gemeindepfarrerin Jutta Jekel. Gerade in den vergangenen Jahren habe sich die Situation verschärft. Demzufolge fehle oftmals das Geld für eine „qualitativ hochwertige Ernährung". Kein Gemüse. Kein Obst. Keine Spur von ausgewogener und gesunder Ernährung. Zu teuer! Als sie neulich in der Gemeinde ein Theaterprojekt angeboten hatten, in dem es um Glück gegangen sei, habe ein Kind auf die Frage geantwortet, was für sie Glück bedeute: „Glück ist, wenn ich am Ende des Monats den Kühlschrank öffne und sich darin noch etwas zu essen befindet." Pfarrerin Jutta Jekel weist jedoch darauf hin, dass man die Kinder und Jugendlichen, die dieses Angebot annehmen, „nicht als arme Kinder stigmatisieren" sollte: „Wir bieten in unserer Gemeinde ein hochwertiges Angebot, bei dem es verschiedene Spielmöglichkeiten gibt und eben auch etwas zum Essen", sagt sie.
Noch lange nicht am Ziel.
Draußen steht es, das „Manna Mobil" - ein großer, gelber Lieferwagen aus Frankreich, 45 Jahre ist er alt. „Wir wollten ein sympathisches Fahrzeug", erklärt Abshagen, „das sich die Menschen gern anschauen!" Manchmal seien es 30 Jugendliche, die sich im Keller des Gemeindehauses treffen, erklärt Lars Murawski, der in der Gemeinde als Sozialpädagoge auch für die Jugendarbeit zuständig ist. Anscheinend hat sich das neue Angebot noch nicht herumgesprochen: Höchstens zehn Jugendliche waren jüngst dort. „Wir sind noch nicht am Ziel", sagt Gabriele Abshagen: „Wir sind bisher lediglich losgerollt."
Ein 45 Jahre alter französischer Lieferwagen dient nun als „Manna Mobil". Foto:wita/Stotz
Frankfurter Rundschau, 08.02.2008
Ein Verein kümmert sich um die Versorgung armer Kinder in Schelmengraben und Sauerland
Seit Ende der Weihnachtsferien fährt mittags vor der Schülerhilfe des Kinder- und Beratungszentrums Wiesbaden-Sauerland ein Lieferwagen-Veteran der Marke Citroen vor. Das Manna Mobil versorgt Kinder und Jugendliche des Problem-Stadtteils mit einem Mittagessen. „Für viele von ihnen gehört eine warme Mahlzeit nicht zum Alltag", sagt Martin Weichlein, Leiter des von der evangelischen Erlösergemeinde getragenen Zentrums.
Gekocht wird das Essen in der Küche des Christlichen Zentrums Wiesbaden in Nordenstadt von einer Mitarbeiterin des Vereins Manna Mobil, der im Sommer 20 0 7 gegründet wurde. Auf Gerichte mit Schweinefleisch wird vollständig verzichtet, damit muslimische Kinder mitessen können, betont Gründungsmitglied Gabriele Abshagen.
„Wir wollten etwas mit Essen machen", erinnert sie sich. Einen Sponsor hatten sie bereits in ihren Reihen. Informationen darüber, wo in Wiesbaden welche Hilfe gebraucht wird, besorgten sie sich über die Stadt. „Wir habenden Verein bei der Standortsuche beraten", berichtet Hildegunde Rech, Leiterin der städtischen Jugendarbeit. Sie habe die Stadtteile Schelmengraben und Sauerland genannt sowie Kontakte zu den Trägern sozialer Einrichtungen hergestellt.
In den beiden Problemstadtteilen beziehen knapp 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen Sozialgeld oder sonstige soziale Hilfen.
22,3 Prozent der Wiesbadener Kinder bis 15 Jahre beziehen existenzsichernde Leistungen
Insgesamt, sagt Rech, leben in Wiesbaden 8543 Kinder und Jugendliche bis zu 15 Jahren von sogenannten „existenzsichernden Leistungen". Das seien in der reichen Landeshauptstadt 22,3 Prozent aller Jungen und Mädchen dieser Altersklasse.
Bevor die Schülerhilfe mit ihrem Nachmittagsprogramm starten könne, sagt Sozialarbeiter
Weichlein, würden die Kinder eigentlich eine Pause und ein Mittagessen brauchen. Bislang wusste nur niemand, woher das Essen kommen sollte. Der Verein Manna Mobil lief deshalb beim Kinder-und Beratungszentrum Sauerland offene Türen ein.
„Wir wollen aber nicht einfach irgendetwas verschenken, sondern dem Essen einen Rahmen geben", sagt Weichlein. Gemeinsam mit den Initiatoren von MannaMobil wurde der gestaltet: Die Kinder helfen beim Tischdecken, essen gemeinsam und räumen dann auch wieder ab. Meist sitzt ein Betreuer vom Jugendzentrum mit am Tisch oder ein Vereinsmitglied.
„Wir haben hier viele Kinder, die ein warmes Essen brauchen"
„Die Kinder öffnen sich beim Essen", hat Michael Abshagen beobachtet. Gespräche über schulische oder sonstige Probleme seien keine Seltenheit. „Durch das gemeinsame Essen ist jetzt ein anderer Einstieg in den Mittag möglich, es geht viel entspannter zu", sagt Weichlein nach den ersten zwei Wochen.
Ganz am Anfang steht die Aktion noch im Stadtteil Schelmengraben. Auch dort hat derVerein Manna Mobil mit der evangelischen Kirchengemeinde einen Kooperationspartner gefunden. Zweimal pro Woche bringen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins Nudeln und Gemüse, Bratlinge oder Suppe in den Jugendkeller der Gemeinde.
Außerdem beliefern sie die Grundschule mit Backwaren. „Wir haben hier viele, die ein warmes Essen brauchen", sagt Pfarrerin Jutta Jekel. Der Verein füllt den Kindern den Teller kostenlos. „Was sollen wir jemandem abnehmen, der die 2,50 Euro für das Essen in der Schulkantine nicht hat?", fragt Vereinsmitglied Michael Abshagen.
Er und seine Mitstreiter haben
sich bewusst für die Zielgruppe
Kinder- und Jugendliche entschieden.
Das sei eine „Investition in
die Zukunft".
epd